Still long way to go - die Strukturprobleme im deutschen Frauensport
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Vielleicht erinnerst Du Dich an den Herbst 2025: das (leider) dominierende Thema im Frauensport waren die zahlreichen Kreuzbandrisse im Frauenfußball.
Es gab damals eine hohe mediale Präsenz des Themas. Und das war auch absolut richtig so. Und heute? Ich habe das Gefühl, das Thema verliert an Aufmerksamkeit. Das Problem ist aber noch lange nicht gelöst.
Selbst bei Bundesligisten unterschiedlicher Sportarten sind oft nicht genug finanzielle Mittel vorhanden, um sowohl Athletinnen als auch Staff weiterzubilden - und zwar in frauenspezifischen Themen (Zyklus und seine Einflussfaktoren, Anatomie, daran angepasstes Training usw.).
Doch warum hat der deutsche Frauensport immer noch ein Strukturprobkem?
1. „Profisport ohne Profi-Alltag“ (Prekäre Finanzierung)
Während die Männer in vielen Sportarten voll professionalisiert sind und gut von ihrem Gehalt leben können, ist das Einkommen im Frauensport oft prekär. Viele Athletinnen müssen Vollzeit arbeiten oder studieren, um sich abzusichern. Richtige Trainingsbedingungen (Physiotherapie, Trainingslager, medizinische Betreuung) sind im Frauenbereich oft schlechter vergütet.
2. Mangel an professionellen Liga-Strukturen
Der finanzielle Kollaps von Spitzenvereinen (wie im Handball oder Basketball) zeigt, wie fragil das System ist. Außer im Fußball gelingt es kaum einer größeren Sportart, eine stabil gewachsene Bundesliga in Sollstärke aufzubauen. Häufig fehlen Aufsteiger, oder Vereine müssen Lizenzen zurückgeben, weil Sponsoringgelder und nachhaltige Investitionen fehlen.
3. Der Teufelskreis der medialen Sichtbarkeit (Gender-Show-Gap)
Sponsorengelder fließen dorthin, wo Reichweite ist. Die Medienberichterstattung konzentriert sich in Deutschland jedoch zu einem überwältigenden Teil auf den Männersport. Große Turniere (wie eine EM oder WM) bringen zwar kurzfristig gute Quoten, danach sinkt die mediale Präsenz im Alltag jedoch oft wieder rapide. Ohne regelmäßige TV- und Medienpräsenz bleibt es für Vereine extrem schwer, attraktive Sponsorenverträge abzuschließen, was aber die Professionalisierung ausbremst.
4. Unterrepräsentanz in Führungspositionen und im Trainerstab
Der organisierte Sport in Deutschland wird nach wie vor überwiegend von Männern gelenkt. In den Vorständen und Präsidien der Sportverbände liegt der Frauenanteil oft deutlich niedriger. Auch im Leistungstraining gilt oft: Je höher das sportliche Niveau, desto seltener findet man Trainerinnen. Dadurch fehlen sportliche Vorbilder in Führungsrollen und die spezifischen Bedürfnisse von Frauen werden in den Verbänden seltener priorisiert.
5. Fehlende Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Bedürfnisse
Der Trainings- und Karrierealltag orientiert sich oft starr an männlichen Biografien. Vereinbarkeit von Familie und Spitzensport: Ein Kinderwunsch bedeutet für viele Athletinnen immer noch das abrupte Ende der Karriere, da es an Mutterschutzregelungen, finanzieller Absicherung während der Schwangerschaft und Betreuungskonzepten fehlt. Medizin und Training: Lange Zeit wurde die Sportwissenschaft primär an Männern erforscht. Spezifische Aspekte wie zyklusbasiertes Training oder die Tatsache, dass Frauen ein deutlich höheres Risiko für bestimmte Verletzungen (z. B. Kreuzbandrisse) haben, werden erst langsam strukturell integriert.
Fazit: Die Probleme im deutschen Frauensport liegen selten an mangelndem Interesse der Fans oder fehlender Leistung der Athletinnen wie in den Kommentarspalten oft berichtet wird. Es fehlt an nachhaltigen Investitionen, verlässlichen Rahmenbedingungen durch die Verbände und dem Mut, Strukturen von Grund auf gleichberechtigter zu gestalten. Lasst uns das ändern.
Die Basketball-WM der Frauen im September 2026 ist eine tolle Gelegenheit hierfür.