Hilfe, ich habe mich verletzt. Oder: Wenn das Leben andere Pläne hat

Hilfe, ich habe mich verletzt. Oder: Wenn das Leben andere Pläne hat


Über Verletzung, Akzeptanz und ein starkes Mindset

25.12.2025 – Tag 0 | Die Verletzung

An diesem Tag habe ich ganz normal trainiert: Cleans, Jerks, Back Squats, ein Workout mit Box Jumps. Ich hatte keine Schmerzen im Knie, fühlte mich gut und hatte eine gute Energie.

Nach dem Training habe ich noch Atemübungen gemacht, um mein Cool-down einzuleiten. Als ich danach aufstehen wollte, setzte ich das linke Knie auf, um mich hochzudrücken. In dem Moment, in dem ich das Bein belastete, knackte es sehr unangenehm auf der Innenseite des Knies. Ich konnte nur noch unter Schmerzen auftreten.

Mein erster Gedanke war sofort: Da ist etwas kaputt.
Ich habe direkt mit einem Eispack gekühlt. Über Nacht und in den darauffolgenden Tagen wurde es zum Glück besser und ich konnte zunehmend schmerzfrei gehen. Aufgrund der Feiertage war jedoch klar: Bis zur endgültigen Diagnose würde es dauern.

 

31.12.2025 – Tag 6 nach der Verletzung

Zum Jahresende geht man als Athlet:in oft seine Ziele für das neue Jahr durch und lässt das vergangene Jahr Revue passieren.
Vor meiner Verletzung war für mich klar: Im Januar 2026 starte ich in die Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft der funktionalen Fitness in meiner Altersklasse (40–44).

Doch manchmal hat das Leben andere Pläne als wir selbst. Ein einziger Moment reicht – und plötzlich ist nichts mehr wie zuvor.

Nach der ersten Welle aus Schock und Traurigkeit kam eine neue Phase: Akzeptanz. Nicht als Zeichen von Aufgeben, sondern als bewusste Entscheidung, die Situation anzunehmen, wie sie ist. Akzeptanz schafft Raum – für Klarheit, für Handlung, für den nächsten Schritt.

Ich wollte wieder ins Tun kommen.
Mein Training anpassen, nicht pausieren um jeden Preis. Denn ich weiß: Bewegung tut mir gut – körperlich, aber vor allem auch mental. Also begann ich, meinen Weg neu zu strukturieren. Angepasst an das, was mein Körper gerade zulässt.

 

06.01.2026 – Tag 12 nach der Verletzung

„Cold days, strong mindset.“

Ein starkes Mindset ist in dieser Phase essenziell. Und Geduld – die ist genauso gefragt.

Nach dem MRT und einen Tag vor dem Arztgespräch tauchten sie auf, die typischen Fragen:

Wie geht es weiter?
Wann kann ich das Knie wieder voll belasten?

Das wären noch vor einiger Zeit die wichtigsten Fragen gewesen. Doch genau hier hat sich mein Blickwinkel verändert.

Durch meine eigene Athletinnen-Geschichte und die Begleitung vieler anderer Athlet:innen weiß ich heute: Es gibt keine allgemeingültige Timeline für Heilung. Jeder Körper reagiert anders, jede Verletzung bringt ihre eigenen Rahmenbedingungen mit sich. Sich an einer festen Zahl festzuhalten, erzeugt oft nur zusätzlichen Druck.

Also übe ich mich bewusst in Gelassenheit.
Ich folge meinem Plan konsequent, aber ohne Eile.
Ich unterstütze meinen Körper mit ausreichend Schlaf, gezielter Regeneration und den richtigen Nährstoffen.
Und vor allem: Das Knie bekommt die Zeit, die es braucht.

Habe ich mir das Jahresende 2025 und den Start in 2026 anders vorgestellt?
Ganz sicher.

Aber ändern kann ich es nicht. Akzeptanz bedeutet nicht, die Hände in den Schoß zu legen – sie ist die Grundlage für sinnvolles, bewusstes Handeln.

Statt mich auf das zu fokussieren, was gerade nicht möglich ist, richte ich meinen Blick auf das, was geht und was jetzt sinnvoll ist. Und das ist gerade viel Basic-Arbeit 😬 Nicht spektakulär. Vielleicht sogar ein bisschen langweilig 😉

Aber Basics sind nie Zeitverschwendung. Sie schaffen Stabilität, legen den Grundstein für Belastbarkeit und geben dem Körper Sicherheit. Zusätzlich bekommt das Knie gezielt Aufmerksamkeit durch spezielle Übungen – angepasst, kontrolliert und durchdacht.

 

07.01.2026 - Tag 13 nach der Verletzung | Klarheit nach MRT und Arztgespräch

Nach MRT und Arztgespräch weiß ich nun, was mit meinem Knie los ist.
Die gute Nachricht: Alle Bänder und der Meniskus sind intakt.
Was für eine Erleichterung‼️ Rückblickend bin ich dankbar für den Fokus, den ich schon lange in meinem Zusatztraining auf die hintere Kette sowie Hüft- und Gesäßmuskulatur lege. Vielleicht hat mich genau das vor Schlimmerem bewahrt.
🙏🏻

Die Schmerzen kommen von einem Knochenmarködem. Das bedeutet: Für wahrscheinlich sechs Wochen kein Springen, kein tiefes oder schweres Beugen.

Genau in diese Reha-Zeit fällt leider auch die Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft der funktionalen Fitness, die ich für 2026 fest eingeplant hatte.Mit dem Wechsel in die Altersklasse 40+ war das Ziel klar: noch einmal an der DM teilnehmen. Bis zum 25.12.2025, dem Tag der Verletzung. Und dann kam alles anders.

Verletzungen können als Athlet:in immer passieren. Entscheidend ist nicht das Ereignis selbst, sondern der Umgang damit. Akzeptanz heißt nicht, alles gut zu finden – sondern sinnvoll zu reagieren.

Manchmal lernt man durch Verletzungen mehr über sich selbst als durch jede Saison ohne Rückschläge.

 

Erfahre im nächsten Beitrag, was ich durch die Verletzung über mich gelernt habe.

 

Du bist auch gerade verletzt? Du musst da nicht alleine durch! Ich begleite Dich gerne mental und physisch bei Deinem Comeback.

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